Erfahrungen mit dem BITOU MTB Fahrtechnik Training
Im August war ich für ein paar Tage im Schwarzwald zum Mountainbiken. Um die Sicherheit auf dem Mountainbike zu erhöhen, nahmen wir an einem MTB Fahrtechnik Training von BITOU teil, was Mitte August an einem Samstag und Sonntag stattfand. In diesem Post möchte ich den Ablauf schildern sowie von unseren (nicht erfüllten) Erwartungen berichten:
Tag 1:
Als offizieller Treffpunkt des BITOU Fahrtechnik Trainings wurde das Kurhaus angegeben. In einem letzten Brief war es aber plötzlich der Bahnhof in Titisee. Dies stiftete bei einigen Teilnehmern schon Verwirrung. Dazu kam, dass offensichtlich erwartet wurde, am Parkplatz hinter dem Bahnhof zu erscheinen, sodass ein Großteil zunächst am Bahnhof warten musste. Als es dann losging, sollte folgendes Programm abgearbeitet werden:
- Balance- und Gleichgewichtsübungen
- Richtiges Bremsen
- Verschiedenste Untergründe mit dem Rad beherrschen
- Richtiges Anfahren am Berg
- Fahren in steilem Gelände (bergab & bergauf)
- Hindernisse überfahren / überrollen
- Kurventechnik, Serpentinen
- Bremsverhalten in engen Kurven
- Singletrails fahren (Wurzelpassagen locker meistern)
Am ersten Tag hat unser Guide vormittags ein paar Basics vorgestellt, die wir jedoch für Level 1 erwartet hätten, z.B. abwechselnd die Bremsen betätigen und feststellen, dass die vordere Bremse eine viel größere Bremsleistung hat. Stets wurde gelobt, selten wurde verbessert. Es kann nicht sein, dass es bei allen Teilnehmern auf Anhieb “gut aussieht”.
Um 10:45 stießen noch 2 weitere Personen zu unserer Gruppe, die bis dahin am Kurhaus in Titisee gewartet haben und alle BITOU Telefonnummern abtelefonieren mussten. Hier hätte eine kurze Mail an alle Teilnehmer gereicht, dass sich der Treffpunkt des Fahrtechnik Trainings geändert hat.
Es ging weiter mit Slalom-Fahrten, Gleichgewichtsübungen und dem “Notabstieg am Hang”.
Um 12:30 wurde Mittag im Hotel Bären gegessen. Die allgemeine Meinung war, dass es nicht die richtige Lokation für eine durchgeschwitzte Bikertruppe war. Wir hätten uns lieber an einer rustikalen Berghütte erfreut. Vermutlich hat BITOU hier aber noch Provision kassiert.
Nachmittags wurde die “Fahrtechnik-Tour” begonnen. Hierzu sind wir erst einmal an das andere Ende des Titisees gefahren und von dort noch einige Kilometer bis zu dem Trail am Bildstein. Die meiste Zeit verschwendeten wir also damit, über Schotterwege und Asphalt den geeigneten Trail aufzusuchen. Auf dem Bildstein angekommen, ging es auch gleich auf den Trail, da es schon relativ spät war und offensichtlich keine Zeit für Erklärungen blieb. Hier gab es einige recht enge und verblockte Serpentinen, die wir bewältigen mussten, dies ging eher schlecht als recht. Das alles ohne Erklärung, es war also nur eine Fahrradtour und kann nicht als MTB Fahrtechnik Training bezeichnet werden. Nach der (kurzen) Trailabfahrt ging es auch schon wieder auf den langen Rückweg, womit der erste Tag bereits beendet war.
Tag 2
Diesmal wählten wir Level 2+ des Fahrtechnik Trainings, um hoffentlich etwas zu lernen. Wir starteten auch gleich, um auf den Zweiseenblick raufzufahren. Nach kurzer Zeit mussten wir jedoch feststellen, dass unser Guide gar keine Ahnung von dieser Region hatte und nicht wusste, wie man zu seinem angepeilten Ziel kommt. Nach endlosen Kilometern auf Asphalt, zahlreichen Blicken in die Karte und der dauerhaften Suche nach Schildern, hatten wir den Zweiseenblick irgendwann gefunden. Am Gipfel gab es – offensichtlich zufällig – noch eine Wurzelpassage, die wir sehr gut nutzen konnten, um ein bisschen zu üben. In dieser halben Stunde wurde tatsächlich ein bisschen vermittelt und dabei kam die Stimmung der Gruppe so langsam wieder aus dem Keller.
Anschließend sollte der Trail an der anderen Seite des Gipfels heruntergefahren werden. Dieser hatte es schon in der ersten Kurve so in sich, dass selbst der Guide nach 4 Bergab-Versuchen kapitulierte, der den Trail zuvor offenbar nie gesehen hat.
Ein mutiger Teilnehmer unserer Gruppe versuchte sich und fuhr sich beim Ausrutschen das Vorderrad platt. Alle Teilnehmer schoben daraufhin ihre Mountainbikes bergab.
Es ging nun zu der BITOU Bikestation Feldberg um Mittag zu essen.
Nun sollte es wieder auf den Bildstein gehen. Uns war es ganz recht, denn wir kannten ihn vom Vortag und hofften, nun etwas zu lernen. Im Gegensatz zum Vortag hatte unser Guide aber keine Ahnung, wie man dort hinkommt, sodass unsere MTB noch einige Umwege auf Asphalt und Schotter machten durften.
Wir hatten diesmal aber etwas mehr Zeit als am Vortag, so dass wir die Serpentinen mehrere Male fahren konnten und so gab es tatsächlich mal einen Trainings-Effekt.
Hiernach ging es dann auch schonwieder auf den Rückweg, da wir ja noch einige Kilometer vor uns hatten.
Zusammenfassung
Was wir hier bei BITOU als Fahrtechnik Training bekommen haben, war seine 139€ nicht wert! Die Organisation ließ an manchen Stellen zu wünschen übrig (Treffpunkt, Strecken etc.). Die Guides bestanden Studenten, die offensichtlich nie selber ein MTB Fahrtechnik Training gesehen haben. Der Treffpunkt war nicht gut gewählt: Es kann einfach nicht sein, dass man die teuer bezahlte Zeit dafür verwendet, vom Treffpunkt zum Trail zu kommen. Zudem haben wir später in Titisee-Neustadt geeignete Gebiete gefunden, die sich für den Treffpunkt deutlich besser geeignet hätten.
Zum oben genannten Programm:
- Balance- und Gleichgewichtsübungen: Wurde sehr ausführlich gemacht.
- Richtiges Bremsen: Nur amateurhaft.
- Verschiedenste Untergründe mit dem Rad beherrschen: Hauptsächlich wurden Asphalt und Waldautobahnen befahren, also muss man verneinen
- Richtiges Anfahren am Berg: Wurde kurz versucht, weil es sich zufällig ergeben hat.
- Fahren in steilem Gelände (bergab & bergauf): Ja, aber ohne wertvolle Tipps.
- Hindernisse überfahren / überrollen: Die Bilder auf der BITOU-Homepage zeigen nette Hindernisparcours, die wir nicht einmal im Ansatz befahren haben.
- Kurventechnik, Serpentinen: Hat sich auch recht zufällig ergeben, vorgesehen war so etwas offenbar nicht.
- Bremsverhalten in engen Kurven: Nein
- Singletrails fahren (Wurzelpassagen locker meistern): Wurzelpassagen meistert man nicht locker, wenn man einmal hofft irgendwie unten anzukommen, einmal den Trail runter schiebt und genau einmal Tipps bekommt und keine Zeit hat schwierige Situationen zu üben.
Bei dem Preis, den BITOU verlangt haben wir erwartet, dass es richtige Guides gibt, die auch wirklich wissen auf was es bei dem MTB Fahrtechnik Training ankommt und nicht “schon einmal Mountainbike gefahren sind”. Der Treffpunkt sollte in einer Region gewählt sein, wo auch die nötigen Gegebenheiten für ein MTB Fahrtechnik Training vorhanden sind. Die Guides sollten die Gegend wirklich kennen und nicht auf Karte und Schilder angewiesen sein. Die Teilnehmer sollten auch bei den Übungen gefilmt werden, um anhand dieser Aufnahmen Fehler aufzuzeigen, wie es bei vielen anderen Fahrtechnik Trainings auch üblich ist.
Im Laufe unseres Urlaubs kamen wir noch zufällig an ein 3-stündiges MTB-Training des erfahrenen Mountainbikers Friedbert Marder, in welchem wir wirklich ein Vielfaches von dem gelernt haben, was BITOU uns geboten hat. Das Training wird im Rahmen einer Mountainbikeschule mit dem sonderbaren Namen O-Saft angeboten (leider nur eine Facebook-Seite), eine klare Empfehlung unsererseits.
Hallo Malte,
tut mir leid dass Du hier so schlechte Erfahrungen gemacht hast!
Ich habe letztes Jahr an Pfingsten das Fahrtechniktraining “ladies only Level 3″ mitgemacht. Wir waren in Kirchzarten und ich muß sagen es war genial!
Auch wenn unsere Guidin materialmäßig mehr als untermotorisiert war konnte sie uns super Tips geben, uns motivieren und uns über unsere Grenzen (an die wir als sehr erfahrene Bikerinen trotzdem bald kamen) bringen.
Die Location war gut gewählt, die Übungen reichlich diskutiert und geübt.
Am Tag 2 sind wir die unendlichen Kehren am Freiburger Schlossberg rauf und runter gefahren bis sie uns zu den Ohren rauskamen!
Der krönende Abschluss die Borderline!
Ich bin mit meinen beiden Freundinen hochmotiviert nach hause gekommen und unsere Männer kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. (Was wohl deutlich für den Erfolg des Technikcamps spricht ;-) )
Passagen die mir auf meinen Hausstrecken bis dahin als unfahrbar schienen mache ich jetzt mit links und denke oft und gerne an unser Wochenende im Schwarzwald zurück!